Die Geschichte

Zeichnung zum Protokoll der Eiswette von 1836

Am 8. November des Jahres 1828 wetten einige Freunde auf das Zufrieren der Weser anfangs des kommenden Jahres und vereinbaren, dass die Verlierer die Zeche für einen „vaterländischen Braunen Kohl mit Zubehör" bezahlen, der am 12. Januar 1829 im Gasthaus Schürmann zum Horn verzehrt werden soll. Dort trafen sich am nämlichen Tage achtzehn gestandene Männer, vierzehn Kaufleute, ein Lehrer, zwei Offiziere und ein „Steuer-Controlleur". Es hatten, so hörte man, sich weitere Teilnehmer den ursprünglichen Wettern zugesellt, was sie eine zusätzliche Flasche Madeira kostete. Wirklich entscheidend aber war, dass man nun beschloss, die Wette für das folgende Jahr neuerlich auszutragen. Ihr Gegenstand sollte sein, ob die Weser oberhalb der großen Brücke bis zum Punkendeich spätestens am 4. Januar morgens vor Sonnenaufgang zugefroren oder zum Stehen gekommen sein werde.

Stich Bremen 1769

So wurde jener 12. Januar 1829 zur Geburtsstunde der Bremer Eiswette. Dahinter stand ein ernstes Problem. Schiffe waren noch in der frühen Biedermeierzeit das Rückgrat des Gütertransports, es gab praktisch kein anderes Transportmittel. Die ersten Güterzüge fuhren in Deutschland erst Jahrzehnte später, Pferdewagen waren wenig geeignet für größeren Umschlag - vom Luftverkehr war erst recht keine Rede. So war es für eine Handelsstadt wie Bremen von existentieller Bedeutung, ob der Weserstrom den Schiffen ihren Zugang zum offenen Meer und damit zu anderen Häfen in aller Welt öffnete oder durch Zufrieren Handel und Wandel zum Erliegen brachte. Im übrigen war die wirtschaftliche Lage im Jahre 1829 alles andere als berauschend. Das durch die Befreiungskriege herbeigeführte Ende der „Franzosenzeit" und der von ihr ausgelösten Kontinentalsperre lag erst sechzehn Jahre zurück - wir wissen heute, wie schwer es ist, in einem solchen Zeitraum blühende Landschaften wieder herzustellen. So also stand hinter der Wette Hoffen und Bangen, vielleicht auch der Versuch, eine günstige Witterung zu beschwören.